Reinald Grebe war letzten Dienstag im ZDF in „neues aus der Anstalt“. In seinem Auftritt liefert er eine scharfe Zeichnung unserer politischen Klasse. Die „political animals“ die getrieben sich auf das Spiel mit dem Wähler einlassen.
Für mich ist dieses Charakterportrait eine der überzeugende Erklärungen warum unsere Politiker, aus der Ferne betrachtete, so überfordert aussehen. Über ihren Erfolg entscheidet nicht wie gut ihre Entscheidungen, wie weitsichtig ihre Überlegung und wie stark ihr Wille zum Gestalten sind, was zählt ist ob man sie wählt. Und so fehlt bei dem Stereotypen Bundestagskandidat den Grebe skizziert auch konsequent jeder Inhalt und alle Individualität. Das einzige was er sagt ist: „wählen sie mich!“ und darin erschöpft sich seine Botschaft. Alles was darüber hinausgeht sind Stereotype, aus denen man eine Menge lernen kann. Der automatische Reflex ,den die Kameras auslösen, die gezwungenen Unehrlichkeit („Würden sie von sich einen Gebrauchtwagen kaufen?..“) und vor allem die Schlaflosigkeit.
Was übrig bleibt ist ein verhetzter, unreflektierter Machtmensch, der so bemüht ist gewählt zu werden, dass er ganz vergisst für etwas zu stehen.
Genau so habe ich den Bundestagskandidaten der SPD , Sascha Raabe, im letzten Wahlkampf erlebt. Ich habe ihn auf die Netzsperren (er hat hier seine Position darstellt) angesprochen. Im Gespräch mit ihm wurden keine Argument ausgetauscht, er wiederholte nur seine Floskeln. Ich hatte den Eindruck er kann auch gar nicht mehr zuhören – es war wahrscheinlich auch schon die 10. Veranstaltung an diesem Tag – er wirkte abgehetzt müde. Genau mit dieser zersplitterten Wahrnehmung wie sie Grebe schildert. „Wählen sie mich“ – wofür ist doch letztendlich Wurst.