Verführerische Technik

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HER

Sexhotlines würde es nicht geben, ohne dass Ewigkeiten abendländischer Kulturgeschichte ins Land gegangen wären. Von Platon bis zur französischen Revolution zieht sich die Idee, dass die weibliche Stimme als verführerische, schmutzige und sinnlose Feindin der Vernunft den männlich gedachten Logos von Gesetz, Recht und Ordnung bedroht. Schon Odysseus, dessen Mythos von den Verfassern der Dialektik der Aufklärung ja zum „Grundtext der europäischen Zivilisation“ erklärt wurde (und das will ja was heißen), war den Stimmen der Sirenen ausgeliefert, die seine Lüste entfacht und seine Vernunft ausgeschaltet hätten, wäre er nicht listig genug gewesen, sich im Vorfeld seiner Reise an den Mast seines Schiffes fesseln zu lassen. Allein, so selbstbeherrschend sind die masturbierenden Zuschauer des Mitternachtsfernsehens nicht. Sie lassen sich von den Sirenen des DSF besingen und ihr Begehren wecken, indem sie auf ihre eigene sexistische Projektion von Weiblichkeit hereinfallen, und so rächen sich Jahrtausende des Patriarchats in der Selbsterniedrigung und Jämmerlichkeit, die doch ein jeder Mann empfinden muss, wählt er die unsäglichen Nummern der unwirklichen Frauen, die nachts die Fernsehlandschaften bevölkern und dabei konzentriert erkennen lassen, was an der sexuellen Befreiung schief gelaufen ist.

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Techno, Tanzen und Tabletten. Clubkultur und Subversion?

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If you can dance to it, it’s probably not a revolution, meine ich, ‘mal irgendwo gelesen zu haben. Die Welt elektronischer Tanzmusik scheint sich keinen revolutionären, doch aber einen irgendwie subversiven Anstrich zu geben. Als quasi untergründige Subkultur richtet sich die Berliner Technoszene in ehemaligen Industrie- und Fabrikkomplexen ein, die zu schmutzig-lauten Spielplätzen für feierwütige junge Menschen umfunktioniert wurden.  Read more

Politisierung der Ästhetik- Was bedeutet der “Erste europäische Mauerfall”?

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Was passierte am 9. November 2014 an den Außengrenzen Europas? Nach der Kunstaktion “Erster europäischer Mauerfall” vom Zentrum für politische Schönheit bleiben viele Fragen und auch ein wenig Schweigsamkeit. Als Mitreisender zu den europäischen Außengrenzen, als freiwilliger Statist in der Inszenierung, möchte ich mit ein wenig Abstand einen Blick auf die Bedeutung des Aktionskunstwerks werfen.

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Ein persönlicher Abschied

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Christopher Lauer

Die Wiederkehr des Verdrängten. Etwas, das man eigentlich nicht mehr wissen wollte, macht sich in Form eines Symptoms Luft. Modrig blubbert die Vergangenheit in die Gegenwart. Was ich verdrängt hatte, war die Piratenpartei und das Symptom ist Christopher Lauers Austritt aus ihr. Ich hatte vergessen, welche Euphorie und Hoffnung ich in die Piraten gesetzt hatte, wie ich vor Jahren an Stammtischen saß und in den Straßen Wahlkampf gemacht hatte. Wie ich allen Freunden und Bekannten erklärt hatte, was diese Partei, diese politische Bewegung sein könne und warum sie mir so wichtig war. Ein kurzer Moment, wie verliebt sein, und dann die Ernüchterung: ein peinliches Personal, eine infame Diskursbereitschaft und fehlender politischer Weitblick ließen mich dieses Liebäugeln schnell verdrängen. Und nun will ich Abschied nehmen.

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Capitalism WOW – die Reise zu den Sternen

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Musk und Dragon v2

Vor wenigen Wochen hat der Space-X CEO Elon Musk sein neuestes bemanntes Raumschiff vorgestellt. Bereits 2016 sollen mit der Dragon V2 die ersten Menschen zur ISS fliegen. Das Raumschiff ist wiederverwertbar, kann senkrecht landen und seine Triebwerke kommen aus dem 3D Drucker. Es soll die Rolle der Space Shuttles bei der Versorgung der Raumstation übernehmen, eine Aufgabe, die im Moment nur von der russischen Raumfahrt erfüllt werden kann, welche dies allerdings nur noch bis 2020 machen will. Ein technisches Wunderwerk – finanziert durch privates Geld und angetrieben von der Vision eines Mannes. Anders als die bisherigen Versuche, die durch staatliche Milliarden und gewaltige Bürokratien vorangetrieben wurden, ist Space-X effizient und innovativ. Hier zeigt sich die Kraft des modernen Kapitalismus, seine Fähigkeit, selbst vermeintliche Grenzen in einen Markt zu verwandeln. Allerdings wirft dieser private Raumflug auch Fragen über die Zukunft der Menschheit auf. 

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Der Feind ist die Eindimensionalität… linker Positionen.

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Kapitalismuskritik ist furchtbar einfach geworden. Jeder dritte Hollywood-Streifen liefert uns heute sozial- und kulturkritische Attitüden. Man denke hierbei nur an Avatar (den kommerziell erfolgreichste Film der letzten Jahrzehnte), die Tribute von Panem oder Fight Club (Tyler Dyrden und dessen rebellischen Geist kann man mittlerweile auch schon bei H&M in T-Shirt-Form erwerben). Jede Woche liefert uns Arte eine neue Dokumentation über die Auswüchse des Neoliberalismus und auf den Bestseller-Listen stehen Piketty und Co ganz oben. Was ist aber, wenn genau dieses Überangebot (sic!) der Ware „Kapitalismuskritik“ dazu führt, dass sich ganz und gar nichts verändert, oder schlimmer noch, wenn diese systemstabilisierend ist? Die Erörterung des Problems soll nun gar nicht der Gegenstand dieses Aufsatzes sein. Für Interessierte empfiehlt sich ein Artikel von Nils Markwardt im Freitag, welcher sich dem Phänomen mit Hilfe von Robert Pfallers Begriff der Interpassivität annähert. Wenn wir heute aber wirklich radikale Kapitalismuskritik betreiben wollen, was ich im Folgenden tun will, müssen wir uns des oben genannten Problems unbedingt bewusst sein. Read more

Gedanken zur Ohlauer Schule oder Postpolitik und Neokolonialismus

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Flüchtlinge in der Gerhard-Hauptmann-Schule

Die wahre Globalisierung bedeutet vor allem: Die Errichtung neuer Mauern. Der Philosoph Slavoj Žižek schreibt hierzu in seinem Buch ‘Gewalt- Sechs abseitige Reflexionen': “Der so gefeierte freie Verkehr, der durch die Globalisierung ermöglicht wurde, ermöglicht es zwar den ‘Dingen’ (Waren), sich frei zu bewegen, versucht aber die Bewegung von Personen mehr und mehr einzuschränken.” Es handele sich hier nicht um ein unvollständiges Projekt der Globalisierung, sondern um eine wahre “Dialektik der Globalisierung”. Was hat dies wohl mit den Ereignissen in Berlin-Kreuzberg, rund um die Ohlauer Schule in den letzten Wochen zu tun? Als bis zu 1700 PolizistInnen 7 Tage lang, bewaffnet und behelmt, einen Kiez abriegelten? Als Senat und Bezirk sich gegenseitig immer wieder Verantwortlichkeiten zuschoben, doch letztlich nur ihre eigene Ohnmacht demonstrierten? Read more