Mit Computern sprechen
geschrieben von Johannes am 22. Februar 2010 um 10:49Als ich grade ans Telefon gegangen bin begrüßte mich eine freundliche Männerstimme:
“Hallo Her BlahBlah, Verbraucherinstitut Freiburg, sitzen sie gut?”
Ich so konsterniert: “Ähh, nein.”
Und der nette Herr fängt sofort an mir was von einem Gewinnspiel zu erzählen. Da riecht man natürlich Lunte. Aber der Sprachcomputer war erschreckend gut. Besser als dieser Hotline-Kack, bei dem nach 2min dein Puls auf 180 ist. Ich war mir so unsicher, dass ich ins Telefon ganz leise “test, test” murmelte und als er nicht reagierte ihn fragte ob er ein Roboter sei. Was ein Spaß. Und ein echt komisches Gefühl! Ich war mir wirklich nicht sicher ob ich grade einen Callcenter-Sklaven an der Strippe habe…
Das schlimme daran ist, die benutzen gar nicht mal so Hammertechnologie. Der Computer wartet nur an bestimmten Stellen, bis ich was gesagt habe. Außerdem haben die sich sehr viel mühe gemacht, die Stimme organisch klingen zu lassen. Ich frage mich nur, wie telefonieren in 20 Jahren sein wird, wenn ich mir nie sicher sein kann, ob der Fremde, mit dem ich spreche, nicht eine Maschine ist.
In so kommunikativ eingeschränkten Situationen wie dem Telefonieren ist es wahrscheinlich relativ einfach so einen Entscheidungsbaum für das Ding zu konstruieren. Der reagiert auf bestimmte Stichwörter, spult ansonsten aber sein Standardprogramm ab. Gutgläubige Omas kann man bestimmt damit fangen. Wobei mittlerweile bei allen angekommen sein dürfte, dass man mit keinem am Apparat redet, der einem Was verkaufen will. Aber vielleicht kann man Sprachcomputer dann nicht nur benutzten, um Anrufer in Endlosschleifen in Callcentern zu fangen, sondern in der externen Kommunikation. “Wir wollten sie erinnern, dass sie ihre Rechnung zahlen!” oder “Steigen sie um auf Entertainment–XXL und sparen sie 20€…”
Naja so richtig wohl fühlt man sich nicht, wenn man mit den Büchsen spricht. Ist vielleicht aber nur eine gewohnheits-Frage.